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Health Claims & Realität

Was darf ich wirklich sagen?
Health Claims & Regulierung – Plants2Market

Die Idee ist verlockend: Ein Pflanzenextrakt mit überzeugender Studienlage – und daraus eine klare, verkaufsstarke Aussage für das Endprodukt. Doch genau hier liegt eines der größten Missverständnisse in der Branche. Denn zwischen wissenschaftlicher Wirkung und rechtlich erlaubter Aussage klafft in der EU eine oft unterschätzte Lücke.

⏱ ca. 7 Minuten Lesezeit
Was sind Health Claims?

Health Claims sind gesundheitsbezogene Aussagen über ein Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel. In der EU werden sie streng reguliert durch die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 – EU Health Claims Regulation.

Das bedeutet konkret

Nur ausdrücklich zugelassene Aussagen dürfen verwendet werden. Diese müssen wissenschaftlich belegt und von der EFSA (European Food Safety Authority) bewertet sein. Sie gelten stets für bestimmte Nährstoffe oder Stoffe – nicht pauschal für ein Produkt.

Wichtig: Es reicht nicht, dass ein Inhaltsstoff „wirkt". Die Aussage muss auch offiziell genehmigt sein.

Der häufigste Fehler: Studien ≠ Claim

Ein klassisches Szenario in der Praxis: Ein Hersteller findet Studien, die zeigen, dass ein Pflanzenextrakt entzündungshemmend wirkt, Stress reduziert oder den Schlaf verbessert. Die naheliegende Schlussfolgerung lautet dann: „Das können wir so kommunizieren."

Leider ist das nicht zulässig. Die European Food Safety Authority (EFSA) bewertet nicht nur, ob ein Effekt existiert, sondern auch, ob er klar nachweisbar und kausal ist sowie ob er für die Allgemeinbevölkerung gilt. Viele botanische Wirkstoffe haben zwar Studien – aber keine zugelassenen Claims.

Botanicals: Die regulatorische Grauzone

Gerade bei Pflanzenextrakten wird die Lage kompliziert. Viele sogenannte „Botanical Claims" befinden sich seit Jahren in einem regulatorischen Schwebezustand: Sie sind nicht final bewertet und werden teilweise geduldet, aber nicht offiziell zugelassen.

Das führt zu Unsicherheit

Was darf ich sagen? Was ist „noch okay"? Wo beginnt das rechtliche Risiko? Diese Fragen lassen sich ohne gründliche Einzelfallprüfung nicht pauschal beantworten.

Was ist erlaubt – und was nicht?
Nicht erlaubt
  • Krankheitsbezogene Aussagen
    z. B. „hilft bei Depressionen"
  • Übertriebene Wirkversprechen
    „heilt", „garantiert"
  • Nicht zugelassene Health Claims ohne rechtliche Basis
  • Irreführende oder implizite Heilversprechen
  • Pharmaähnliche Kommunikation
Erlaubt
  • Explizit zugelassene Aussagen
  • Korrekt formuliert, auf den richtigen Stoff und die richtige Dosierung bezogen
  • Beispiel:
    „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei"
  • Sinngleiche Formulierungen – aber keine kreative Interpretation
Der Unterschied zwischen Marketing und Recht

Ein verbreiteter Denkfehler lautet: „Wenn ich es nicht direkt sage, sondern nur andeute, ist es erlaubt." Das ist leider nicht korrekt. Auch implizite Aussagen können rechtlich problematisch sein – sei es durch Bildsprache, Testimonials oder einen Kontext wie „für besseren Schlaf".

Wichtiger Grundsatz

Behörden bewerten die Gesamtwirkung der Kommunikation – nicht nur einzelne Sätze. Wer regulatorisch sicher aufgestellt sein möchte, muss das gesamte Kommunikationsumfeld eines Produkts im Blick behalten.

Praktischer Leitfaden für Hersteller

Wenn Sie mit Pflanzenextrakten oder Functional Ingredients arbeiten, helfen folgende Fragen bei der Prüfung:

1
Gibt es einen offiziell zugelassenen Claim für diesen Inhaltsstoff?
2
Entspricht meine Dosierung den Vorgaben des zugelassenen Claims?
3
Ist die Aussage formal korrekt und vollständig formuliert?
4
Könnte die gesamte Kommunikation – Text, Bild, Kontext – missverstanden werden?

Wenn eine dieser Fragen kritisch beantwortet werden muss, empfiehlt es sich, die Kommunikation vor dem Launch neu zu überdenken.

Realität vs. Potenzial

Viele Pflanzenextrakte haben enormes Potenzial – wissenschaftlich wie funktional. Die Regulierung hinkt dem Innovationstempo jedoch teilweise hinterher, da neue Erkenntnisse schneller entstehen als Gesetzgebungsprozesse abgeschlossen werden.

Für Hersteller bedeutet das: mehr Eigenverantwortung, mehr strategisches Denken in der Kommunikation und einen stärkeren Fokus auf Transparenz statt auf Überversprechen.

Fazit: Vertrauen schlägt Versprechen

Langfristig gewinnen Marken nicht durch die lautesten Claims, sondern durch Glaubwürdigkeit, saubere Kommunikation und fundierte Produktentwicklung. Gerade im B2B-Bereich gilt: Wer regulatorisch sicher arbeitet, reduziert nicht nur rechtliche Risiken – sondern baut echtes, dauerhaftes Vertrauen auf.

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Haftungsausschluss

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass bei den oben genannten Aussagen teilweise weitere Forschungen sowie Studien notwendig sind, um diese wissenschaftlich zu belegen. Daher können aktuell nicht alle Aussagen von der Schulmedizin anerkannt werden.

Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen zu gesetzlichen Regelungen, Zulassungen und Einsatzmöglichkeiten von Rohstoffen basieren auf sorgfältiger Recherche und unserem aktuellen Kenntnisstand (Stand: April 2026). Wir übernehmen jedoch keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität der Angaben.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel unterliegen laufenden Änderungen. Für die Verwendung von Rohstoffen und gesundheitsbezogenen Angaben ist daher stets eine eigenverantwortliche Prüfung der jeweils geltenden Vorschriften, EU-Verordnungen und Zulassungslisten durch den Hersteller oder Inverkehrbringer erforderlich.

Bei rechtlichen Unsicherheiten empfehlen wir, Fachjurist:innen oder die zuständigen Behörden zu konsultieren.

Health Claims & Reality – Plants2Market

The idea is tempting: a plant extract with a compelling body of evidence – and from that, a clear, sales-driving claim for the finished product. Yet this is precisely where one of the most widespread misconceptions in the industry lies. In the EU, there is a frequently underestimated gap between scientific efficacy and legally permissible statements.

⏱ approx. 7 min read
What Are Health Claims?

Health claims are statements about a food or food supplement that attribute a health benefit to a specific nutrient or substance. In the EU, they are strictly regulated by the Regulation (EC) No 1924/2006 – the EU Health Claims Regulation.

What this means in practice

Only explicitly authorised claims may be used. These must be scientifically substantiated and assessed by the EFSA (European Food Safety Authority). They always apply to specific nutrients or substances – not to a product as a whole.

Important: It is not sufficient that an ingredient "works". The claim itself must also be officially authorised.

The Most Common Mistake: Studies ≠ Claim

A classic scenario in practice: a manufacturer finds studies demonstrating that a plant extract has anti-inflammatory effects, reduces stress, or improves sleep. The obvious conclusion is: "We can communicate this."

Unfortunately, that is not permissible. The European Food Safety Authority (EFSA) does not only assess whether an effect exists, but also whether it is clearly demonstrable and causal, and whether it applies to the general population. Many botanical actives have studies behind them – but no authorised claims.

Botanicals: The Regulatory Grey Area

The situation becomes particularly complex with plant extracts. Many so-called "botanical claims" have been in a kind of regulatory limbo for years: they have not been definitively assessed and are sometimes tolerated, but not officially authorised.

This creates uncertainty

What am I allowed to say? What is "still acceptable"? Where does legal risk begin? These questions cannot be answered in general terms without a thorough case-by-case assessment.

What Is Permitted – and What Is Not?
Not permitted
  • Disease-related claims
    e.g. "helps with depression"
  • Exaggerated efficacy promises
    "cures", "guarantees"
  • Unauthorised health claims without a legal basis
  • Misleading or implicit healing promises
  • Communications that resemble pharmaceutical claims
Permitted
  • Explicitly authorised claims
  • Correctly worded, referencing the right substance and dosage
  • Example:
    "Vitamin C contributes to the normal function of the immune system"
  • Equivalent formulations – but no creative reinterpretation
The Difference between Marketing and Law

A common misconception is: "If I don't say it directly, but only imply it, it's allowed." That is unfortunately incorrect. Implicit statements can also be legally problematic – whether through imagery, testimonials, or context such as "for better sleep".

Key principle

Regulatory authorities assess the overall impression of the communication – not just individual sentences. Anyone who wants to be on safe regulatory ground must consider the entire communication environment of a product.

A Practical Checklist for Manufacturers

When working with plant extracts or functional ingredients, the following questions will help with your review:

1
Is there an officially authorised claim for this ingredient?
2
Does my dosage comply with the requirements of the authorised claim?
3
Is the claim formally and completely worded as required?
4
Could the overall communication – text, images, context – be misunderstood?

If any of these questions raises concerns, it is advisable to revisit the communication strategy before launch.

Reality vs. Potential

Many plant extracts hold enormous potential – both scientifically and functionally. However, regulation sometimes lags behind the pace of innovation, as new findings emerge faster than legislative processes can be completed.

For manufacturers, this means greater personal responsibility, more strategic thinking in communications, and a stronger focus on transparency rather than overpromising.

Conclusion: Trust Beats Promises

In the long run, brands do not win through the loudest claims, but through credibility, clean communication, and well-founded product development. Especially in the B2B sector, this holds true: those who work within regulatory boundaries not only reduce legal risks – they build genuine, lasting trust.

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Disclaimer

For legal reasons, we note that some of the statements above require further research and studies in order to be scientifically verified. Therefore, not all statements can currently be recognised by conventional medicine.

The information contained in this article regarding legal regulations, approvals, and the potential uses of raw materials is based on careful research and our current state of knowledge (as of April 2026). We accept no liability for the completeness, accuracy, or currency of the information provided.

The legal framework for food and food supplements is subject to ongoing changes. The use of raw materials and health-related claims therefore always requires manufacturers or distributors to carry out their own independent review of the applicable regulations, EU ordinances, and authorisation lists.

In cases of legal uncertainty, we recommend consulting qualified legal professionals or the relevant regulatory authorities.

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